Red Bull Cliff Diving World Series 2012 - "How To"

Auf der einen Seite sind es reine Zahlen: 27 Meter, drei Sekunden und mindestens 85 km/h. Auf der anderen Seite ist es Spannung pur und strahlt eine Faszination aus, die Menschen auf der ganzen Welt berührt. Zusammengefasst ist Cliff Diving ein Sprung von einem achtstöckigem Hochhaus, mit einer Beschleunigung schneller als jedes Sportauto, einem Bremsweg von weniger als fünf Metern und Springern die in perfekter Verfassung auftauchen. Überwältigend und fesselnd.

Warum sind 27 Meter (und nicht 25 oder 29) die Standard Sprunghöhe? Was ist der Job der Scuba Diver? Warum braucht man nur 5 Meter Wassertiefe? Was treibt die Athleten an, von einem fast dreimal höheren Podest als bei einem Olympiasprung zu springen – der Nervenkitzel und die Herausforderung dieses spektakulären Sports? Und ist es möglich, einen Kopfsprung aus dieser Höhe zu wagen? Zum Vergleich: die Höhe ist mit einem achtstöckigen Hochhaus zu vergleichen, die Springer sind 3 Sekunden im Free Fall und treffen mit 85 km/h auf der Wasseroberfläche auf.

Die wichtigsten Fakten:

Siebenundzwanzig
Die Sprunghöhe bei der Red Bull Cliff Diving World Series liegt zwischen 26 Metern und 28 Metern, aus dem einfachen Grund, da bei einem drei sekündigem Flug kompliziertere Figuren möglich sind. „Man muss eine Menge Selbstkontrolle haben und das vor allem beim ‚Barani‘-Teil des Sprunges. Wir beenden die Figur nach ungefähr 12 Metern und haben dann immer noch 15 Meter vor uns, um das zu schaffen brauchen wir Kontrolle,“ erklärt der 37-jährige Orlando Duque (COL). Es wäre kaum möglich die komplizierten Sprünge der Cliff Diving Elite in 25 Meter hinein zu quetschen, andererseits wird bei jedem Meter über 27 der Aufprall massiv verstärkt. Gary Hunt, der zweimalige World Series Gewinner beschreibt es wie folgt: „Es ist der Kompromiss zwischen genug Höhe um einige Drehungen und Saltos zu schaffen und die Höhe bei dem unsere Körper den Aufprall noch verkraften können.“ Duque’s Vergleich macht es noch klarer: „Wenn du mit deinem Auto 85 km/h fährst, brauchst du nur Hundertstel Sekunden für zwei Meter, auch für fünf Meter oder auch fast für zehn Meter. Wenn wir also von 35 Metern Höhe springen würden, würden wir 3 Sekunden dazubekommen und das ist nicht viel Zeit für unsere Manöver; nur wird der Eintritt ins Wasser viel gefährlicher. Auch wenn wir die Absprunghöhe verschieben könnten, würden wir außer dem Risiko und der Gefahr nichts erhöhen. Ich glaube wir sind bei einem Level angelangt, bei dem immer noch ein hohes Risiko besteht aber irgendwie können wir es kontrollieren.“

Fünf
Während dem Sprung steigt die Geschwindigkeit von 0 auf 85 km/h in drei Sekunden, dagegen bringt der Eintritt ins Wasser den Springer, in etwas mehr als einer Sekunde, zu einem kompletten Stopp. „Bei einem Cliff Dive springst du so schnell ins Wasser, dass dich das Wasser gleichschnell stoppt. Wenn du von der Seite eines Pools ganz gerade ins Wasser springst wirst du schätzungsweise ziemlich tief tauchen. Aber von einem höheren Sprung bricht die Spannung der Wasseroberfläche unsere Geschwindigkeit und lässt uns nur drei Meter tauchen,“ erklärt US Springer Kent De Mond. Für den neunmaligen Weltmeister Duque ist es eine „extreme Abbremsung. Innerhalb von eineinhalb Sekunden bist du gestoppt. Dein Körper durchsteht eine Menge an Spannung beim Eintritt die jedes Mal weh tut, auch wenn du einen guten Sprung geschafft hast, allerdings merkst du das erst viel später nach dem Sprung. Es ist fast wie ein Autounfall bei dem du mit dem Schreck davon kommst. Während eines Wettkampfes haben wir praktisch vier Autounfälle hintereinander, ohne jeglichen Schutz und trotzdem können wir am Ende des Tages ohne Verletzungen den Wettkampf verlassen.“

Kopf oder Fuß
Wenn man an Cliff Diving denkt, denken die meisten Menschen sofort an Acapulco und ihre Kamikaze Springer die mit dem Kopf über ins Meer springen. „Es ist möglich mit dem Kopf zuerst zu springen, schätzungsweise wirst du verletzt sein und das nie wieder tun. Wir springen komplizierte Manöver und die Auswirkung ist ungefähr neun Mal stärker als beim höchsten Olympiasprung,“ sagt der 29-jährige De Mond. Die einstimmige Antwort zu dieser Frage ist so einfach wie rational: Die Beinmuskulatur ist viel stärker als die Handgelenks- und Nackenmuskulatur.

Die Taucher
Jedes Mal wenn sich ein World Series Springer auf der Plattform für seinen Sprung bereit macht, schwimmen unten im Wasser auch drei Taucher in Position. Nicht nur das sie bei einem Notfall sofort helfen können, ist es auch ihr Job die Wasseroberfläche zu brechen. Die meiste Zeit ist das Wasser so klar – ähnlich wie ein Glastisch – dass man direkt auf den Boden sehen kann und 37 Meter in die Tiefe blickt. Das Platschen des Wassers hilft den Springern es leichter zu erkennen. Sie sehen das Wasser nur für einen sehr kurzen Augenblick und wenn sie das Wasser besser sehen können, hilft es ihnen auch sich besser auszurichten und zu orientieren.

Faszination
Cliff Diving ist zweifellos eine der härtesten Sportarten der Welt und fasziniert Springer und Zuschauer zu gleich. Für den Kolumbianer Orlando Duque ist es der Aufprall der ihn immens fasziniert: „Wenn man die Wasseroberfläche durchbricht ist es sehr laut und sehr schnell. Über dem Wasser passiert alles sehr schnell, dann hört man einen lauten Schlag und plötzlich bist du unter Wasser und es ist leise. Alles was du hörst sind die Blasen um dich herum. Es ist surreal. Sobald du unter Wasser bist denkst du „Wow, was ist gerade passiert“. Und der Aufprall, das Adrenalin, alles was passiert ist wie ein Rausch. Ich glaube dass der Kontrast der Angst während dem Sprung, die Geschwindigkeit und das Gefühl unter Wasser uns so glücklich macht. Das ist es was uns Diver immer und immer wieder springen lässt.“ Auch die Athleten die erst kürzlich zur World Series hinzugestoßen sind wurden schnell vom Cliff Dive Fieber angesteckt, wie der letztjährige Rookie Steven LoBue bestätigt: „Ich liebe diesen Sport, weil du dieses Gefühl nirgendwo anders finden kannst. Es ist so ursprünglich. Nur du, dein Körper und dass wozu du deinen Körper trainiert hast. Das Gefühl fliegen zu können hat mich umgehauen.“

4-Seasons.TV berichtet von jedem Tourstopp der Red Bull Cliff Diving World Series 2012. Der nächste Tour Stopp ist Anfang Juli in Grimstad, Norwegen.

Weitere Informationen gibt es unter www.redbullcliffdiving.com

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